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Deutschland – Argentinien

Diese Woche war wirklich eine ziemlich besondere in meiner Zeit hier in Argentinien. Sie stand ganz unter dem Motto des WM-Spiels zwischen Deutschland and Argentinien. Wie oft habe ich wohl an dieses Spiel denken müssen.
Als ich am Montag bei Scania auftauchte grinsten mich schon alle freudig an. Einige Zitate vor dem Spiel:

  • Am Freitag werden wir Euch locker schlagen!
  • In Italien 1990 haben wir auch den Gastgeber rausgehauen!
  • In den blauen Trikots haben wir noch nie ein Viertelfinale bei der WM verloren!
  • Messi and Tevez werden die deutsche Abwehr schwindelig laufen!
  • Bis Freitag sind wir Feinde!
  • Wir werden Weltmeister!

Mehrmals wurde ich gefragt, ob ich denn das Spiel bei Scania schauen werde, in einer grossen Halle mit Grossleinwand und 400 Scania-Mitarbeitern. Flagge zeigen und bei einem deutschen Tor laut jubeln erlaubten sie mir jedoch nicht.

Auch habe ich einige besorgte Mails aus Deutschland erhalten. Viele wollten wissen, für wen ich bin. Das war doch eigentlich klar. Man kann jahrelang hier wohnen, aber immer wird Deutschland-Fan bleiben. Ich kenne eine Deutsche, die fast ihr komplettes Leben hier verbracht hat und trotzdem für Deutschland war.

Am Donnerstag Vormittag war ich in der Innenstadt unterwegs, als ich aus Deutschland einen Anruf auf mein Handy erhielt. Radio Antenne MeckPomm wollte wissen, wie es sich als Deutscher in Argentinien vor dem Spiel zu lebt. Ich war ziemlich überrascht vom Anruf, so dass ich am Ende gar nicht gefragt habe, ob das nun wirklich gesendet wird. Hat’s vielleicht jemand gehört?

Am Freitag hat mich dann Eugenia vor dem Spiel zu Hause abgeholt. Ich habe mir mein Argentinien-T-Shirt übergestreift und es sorgfältig unter meiner Jacke versteckt ;-) . Meine Argentinien- und die Deutschlandflaggen lagen schon griffbereit. Wir wollten ein Experiment probieren.

Ich benutzte die Deutschland-Flagge als Umhang und sie natürlich die argentinische. So sind wir dann beide durch die Stadt gezogen. Die Leute staunten nicht schlecht. Viele mußten zweimal schauen, um zu realisieren, dass einer vom “Fußball-Feind” durch die Stadt zieht. So bekam ich dann einige Schimpfwörter zu hören, die ich zum Glück nicht verstanden habe. Ähnliche Wörter haben dann Ballack und Co auch beim Elfmeterschießen ertragen müssen.

Brenzlig wurde es, als eine Gruppe aufmüfiger Schüler hinter uns auftauchte. Da musste ich meine Geheimwaffe benutzen, damit sie mich zufrieden lassen. So habe ich mich schnell umgedreht und mein Argentinien-T-Shirt präsentiert.

Das Spiel habe ich dann bei meiner Freundin Eugenia zu Hause geschaut. Nach dem Argentinien-Tor gab’s einen Traurigen und eine glückliche Familie. Das Bild drehte sich nach dem Spiel: ein glücklicher Deutscher, der seine Freude nicht zeigen durfte und eine traurige Familie.

Miese Stimmung hatten natürlich alle. Glücklicherweise erkannten sie mich auf der Straße nicht als Deutscher. Der Jörn hatte in Bariloche mehr Probleme.

Am Abend hatte ich Vorlesung und dann konnte ich mir die Nach-dem-Spiel-Sprüche anhören:

  • Der Schiedsrichter war doch gekauft!
  • Odonkor hätte Rot verdient gehabt!
  • Maxi Rodriguez war Opfer und kein Täter!
  • Eigentlich müssten wir Dich jetzt schlagen, aber …

Ja, Argentinier sind wahrscheinlich schlechte Verlierer. Das gab’s ja auch auf dem Spielfeld zu sehen.

Die Werbung feiert ihre Spieler trotzdem als Helden. Gut waren sie, jedoch leider leider mit etwas Pech (dank dem berühmten Lehmann-Zettel!)!

Am Tag eins nach dem Spiel gab’s immer noch miese Laune. Wenigstens sind die Brasilianer auch rausgeflogen. So erging’s den Nachbarn auch nicht besser.

Eugenia ist jetzt Deutschland-Fan (na endlich ;-) )!!
Vamos vamos … Alemania! :-D

Ein Kommentar

  1. RoyOnTour
    Erstellt am 6 Jul ’06 um 10:45 | Permanent-Link

    tja, nun ist auch der traum für deutschland ausgeträumt – schade, aber dafür kannst du dich wahrscheinlich wenigstens wieder auf die straße trauen… im übrigen brauch es keine latino-seele um wegen eines fussballspiels durchzudrehen: als ich mit einem freund abends durch mittweida zog und einen argentinischen fansong sang, wurden wir von zwei super agressiven glatzen angepöbelt. nur unser akzentfreies deutsch war es dann wohl, das uns vor einer schlägerei bewahrte.

    so traurig das ist, so froh bin ich, dass ich insgesamt nur schöne szenen währende der wm erlebt habe! also freu ich trotzdem auf sonntag, wenn wir in Berlin zidane & co die daumen drücken…

    und für deutschland erstmal: Stuttgart, Stuttgart, wir fahren nach Stuttgart.. . ;-)

Ein Trackback

  1. Von Alemania – Argentina, otra vez!! am 23 Jul ’10 um 22:53

    [...] habe ich das Spiel so gesehen, morgen werde ich mit Freunden zusammmen in meinem Garten [...]

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